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Montag, 28. Dezember 2015

Wasserhaushalt



Unter dem Wasserhaushalt versteht man die Gesamtheit der Vorgänge und Regulationsmechanismen im menschlichen Körper, die zur Aufnahme und Ausscheidung von Wasser führen.

Der menschliche Körper besteht bis zu 60 Prozent aus Wasser, von denen täglich rund 6 Prozent ausgetauscht werden. Ungefähr 2,5 Liter Flüssigkeit gibt der Körper pro Tag über Schweiß, Atemluft, Stuhl und Urin ab. Diese Menge muss sowohl über Getränke als auch über Speisen wieder ausgeglichen werden. Aber auch bei der Aufspaltung und Verbrennung der mit der Nahrung zugeführten Nährstoffe entsteht Wasser, das vom Körper genutzt werden kann. Bei der Verbrennung von 100 Gramm Fett werden 107 Milliliter Oxidationswasser gebildet, aus 100 Gramm Protein entstehen 41 Milliliter und aus 100 Gramm Kohlenhydraten 55 Milliliter Oxidationswasser.

Ausgeglichene Wasserbilanz des Erwachsenen

(Berechnet für den Durchschnitt der Altersgruppe 19 bis unter 51 Jahre) Wasseraufnahme in ml Getränke: 1440 Wasser in fester Nahrung: 875 Oxidationswasser: 335 Gesamtwasseraufnahme: 2650 Wasserabgabe in ml Urin: 1440 Stuhl: 160 Haut: 550 Lunge: 500 Gesamtwasserabgabe: 2650 ml (Quelle: DGE „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2001)

Regulation des Wasserhaushalts

Zahlreiche Faktoren, wie beispielsweise Umgebungstemperatur oder sportliche Aktivitäten, bestimmen den Flüssigkeitsbedarf eines Menschen. Die Flüssigkeitsaufnahme wird reguliert durch das durstgefühl. Dieses setzt bereits ein, wenn der Körper mehr als 0,5 Prozent seines Gewichts an Wasser verloren hat. Durch den Wasserverlust steigt die Konzentration der im Blut gelösten Salze, wodurch das durstzentrum stimuliert wird. Infolgedessen kommt es durch eine eingeschränkte Speichelproduktion zur Mundtrockenheit. Außerdem wird vermehrt das antiadiuretische Hormon Vasopressin, abgekürzt ADH, freigesetzt und somit die Flüssigkeitsausscheidung über die Niere gehemmt. Grundsätzlich sollte bereits getrunken werden, bevor ein durstgefühl entsteht. Sehr große Flüssigkeitsverluste, beispielsweise bei durchfall und Erbrechen, können Schleimhautrötungen im Bereich der Augen, Nase, Mund und Rachen, durstfieber und eine eingeschränkte oder sogar eingestellte Schweiß- und Harnproduktion zur Folge haben.

Zusammenhang zwischen dem Wasser- und dem Elektrolythaushalt

Der Wasserhaushalt ist eng verbunden mit dem Elektrolythaushalt. Unter dem Elektrolythaushalt versteht man alle Vorgänge, die die Aufnahme, Ausscheidung und Verteilung von Mineralstoffen im Organismus regulieren. Wasser ist notwendig, um zahlreiche Mineralstoffe in eine Lösung zu überführen und sie so an den Ort ihres Bedarfs transportieren zu können. Die Flüssigkeitsmenge in und außerhalb der Zellen wird wesentlich von der Konzentration der Mineralstoffe bestimmt.

Folgen eines Wassermangels

Ein geringes und kurzfristiges Flüssigkeitsdefizit kann zu Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schwindelgefühl und einer verminderten Leistungsfähigkeit führen. Aufgrund des oftmals gleichzeitig bestehenden Kaliummangels sind zudem häufig Muskelschwäche und Kreislaufversagen zu beobachten. Gehen dem Körper mehr als 5 Prozent seines Körperwassers verloren, treten Herzrhythmusstörungen und Fieber auf. Ein Absinken des Körperwassers um 10 Prozent hat eine geistige Verwirrung und ein Verlust von mehr als 20 Prozent den Tod zur Folge.

Folgen eines Wasserüberschuss

Werden über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 10 Liter Flüssigkeit zugeführt, kann es zu Mineralstoffverlusten kommen, da die Niere die überschüssigen Wassermengen mit dem Harn wieder ausscheiden muss. Im Harn sind neben ausscheidungspflichtigen Stoffwechselprodukten jedoch auch Mineralstoffe enthalten. Ist der Körper dagegen nicht mehr in der Lage das überschüssige Wasser über die Niere auszuscheiden, sammelt sich das Wasser im Gewebe und es entstehen Ödeme.

Empfehlungen für die Höhe der Wasserzufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt für Erwachsene einen Richtwert für die Höhe der täglichen Wasserzufuhr von 2,25 bis 2,7 Litern an. Diese Werte umfassen sowohl die Wassermengen, die über Getränke und Nahrung geliefert werden als auch die Menge, die bei Stoffwechselreaktionen gebildet wird. Ausschließlich über Getränke sollte eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens 1,2 bis 1,5 Litern erfolgen.

Flüssigkeitsbedarf bei einer Gewichtsreduktion

Besonders zu Beginn eines Gewichtsreduktionsprogramms, wenn der Organismus die Kohlenhydratspeicher zur Energiegewinnung heranzieht, gehen dem Körper große Mengen an Wasser verloren. Dies erklärt auch die schnellen Gewichtsverluste besonders in der ersten Abnehmwoche. Es ist allerdings sehr wichtig, diese Verluste durch eine gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme wieder auszugleichen. Aus diesem Grund sollten übergewichtige Personen während der Gewichtsreduktion täglich 2 bis 3 Liter trinken. Zudem verbessert eine reichliche Flüssigkeitszufuhr den Sättigungseffekt und hilft Stoffwechselendprodukte, die bei einer Gewichtsreduktion anfallen, auszuscheiden.

Getränke

Nicht alle Getränke eignen sich dazu, den täglichen Flüssigkeitsbedarf zu decken. Gute durstlöscher sind Wasser sowie ungezuckerte oder süßstoffgesüßte Kräuter- und Früchtetees. Bei starkem Schwitzen, beispielsweise nach dem Sport, sind Fruchtsaftschorlen, die Mineralwasser und Fruchtsaft im Verhältnis 3 zu 1 oder 5 zu 1 enthalten, gute Flüssigkeits- und Mineralstofflieferanten.
Zuckerhaltige Getränke sollten, besonders wegen ihres hohen Energiegehalts, nicht verwendet oder gegebenenfalls durch süßstoffgesüßte Varianten ersetzt werden. Schwarzer und grüner Tee sowie Kaffee eignen sich ebenfalls nicht zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs, da sie die Wasserausscheidung über die Niere erhöhen und dem Körper somit Wasser entziehen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, zu jeder Tasse Kaffee ein Glas Wasser zu trinken. Auch Milch sollte nicht als durstlöscher herangezogen werden, da sie sehr energiereich ist und eher ein Nahrungsmittel als ein Getränk darstellt.

Trinkwasser

Trinkwasser ist das am stärksten überwachte Lebensmittel, das sich in seiner Zusammensetzung von Region zu Region unterscheidet. Die Zusammensetzung kann bei den ortsansässigen Stadtwerken erfragt werden. Im öffentlichen Netz ist eine hohe Trinkwasserqualität gewährleistet, die sich jedoch in den privaten Leitungen und Hausanschlüssen verschlechtern kann. So können alte Blei- aber auch neue Kupferrohre die Qualität deutlich negativ beeinflussen.

Mineralwasser

Natürliches Mineralwasser entsteht aus Regenwasser, welches über einen langen Zeitraum durch zahlreiche Risse und Spalten im Erdreich in die Tiefe gesickert ist. Dabei wird es durch Sand, Kies und Gesteinsschichten mechanisch und durch Mikroorganismen im Boden mikrobiologisch gereinigt. Zudem werden beim durchdringen der verschiedenen Gesteinsschichten zahlreiche Mineralstoffe herausgelöst und mit zur Quelle transportiert. Kohlensäure, die aus dem Erdinneren aufsteigt, reichert sich ebenfalls an. Natürliches Mineralwasser wird direkt am Quellort abgefüllt und unterliegt strengen Kontrollen. Als Mineralwasser darf auch solches Wasser bezeichnet werden, das künstlich mit Mineralstoffen und/oder Kohlensäure angereichert wurde.
Stilles Wasser entsteht, wenn einem Mineralwasser Kohlendioxid entzogen wird. Die zahlreichen Mineralwässer können sich deutlich in ihrem Gehalt an Mineralstoffen sowie in ihrem Geschmack unterscheiden. Zu empfehlen sind solche Sorten, die mehr als 150 Milligramm Kalzium und mehr als 50 Milligramm Magnesium pro Liter enthalten und deren Konzentration an Nitrat unter 25 Milligramm und an Natrium unter 20 Milligramm pro Liter Wasser liegt.

Quellwasser

Quellwasser wird ebenfalls aus unterirdischen Wasservorräten gewonnen und muss wie das natürliche Trinkwasser den mikrobiologischen Richtlinien entsprechen. Bestimmte Mindestmengen an Mineralstoffen und Spurenelementen sind jedoch nicht erforderlich. Eine ursprüngliche Reinheit wird nicht verlangt und eine amtliche Anerkennung ist nicht notwendig. Um es nicht mit Mineralwasser zu verwechseln, dürfen auf der Flasche keine Angaben zur geografischen Herkunft, zu einer bestimmten Quelle oder, mit Ausnahme von Natrium, zum Mineralstoffgehalt gemacht werden.

Tafelwasser

Bei einem Tafelwasser handelt es sich um eine Mischung aus Trink- und Mineralwasser, wobei das Mischungsverhältnis gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Dem Tafelwasser dürfen folgende Zusatzstoffe zugesetzt werden: Natursole, Meerwasser und Mineralsalze. Es hat häufig einen relativ hohen Kochsalzgehalt.

Heilwasser

Heilwasser ist, als Quellwasser aus Heilquellen, ein mild wirkendes Naturheilmittel. Anders als Mineral-, Quell- und Tafelwasser zählt es nicht zu den Lebensmitteln, sondern unterliegt dem Arzneimittelgesetz. Seine Zusammensetzung wird mindestens alle zwei Jahre untersucht. Es muss eine nachweislich heilkräftige Wirkung besitzen, also entweder Beschwerden lindern, einer Krankheit vorbeugen oder der Gesundheit auf andere Weise förderlich sein. Diese Wirkungen müssen zusammen mit den Inhaltsstoffen auf der Flasche angegeben sein.

Dienstag, 9. April 2013

Wasser als Kalorienburner???

Wasser als Kalorienburner und Schlankmacher-Wissenschaftliche Beweise fehlen



Wasser ist kalorienfrei und kostengünstig und daher das Getränk erster Wahl zur Deckungdes täglichen Flüssigkeitsbedarfs. Bislang wurde jedoch die Bedeutung von Wasser imRahmen des Gewichtsmanagements von übergewichtigen und adipösen Personen nurunzureichend untersucht.

Vereinzelte Studien gingen der Frage nach, inwieweit der Konsum von Wasser vor oder miteiner Mahlzeit das Hunger-/ Sättigungsgefühl und die Energieaufnahme beeinflusst.Abgesehen von einem sehr kurzweiligen Effekt auf das Hungergefühl konnten die wenigenvorliegenden Ergebnisse keinen Benefit des Wasserkonsums zu den Mahlzeiten belegen.[1,2]

Ein U.S. Forscherteam untersuchte jüngst die ad libitum- Energieaufnahme einer einzelnenMahlzeit, zu der entweder 360 g Wasser, Diät- Cola, Normale Cola, Orangensaft oder 1%Milch gereicht wurden. Hier zeigte sich, dass bei Aufnahme eines kalorienhältigen Getränkes(ca. 156 kcal) um zusätzlich 104 kcal mehr über die Mahlzeit aufgenommen wurden als diesbei Konsum von Wasser oder gar keinem Getränk der Fall war. Die höhereEnergieaufnahme brachte im Vergleich zu kalorienfreien Getränken kein verbessertesSättigungsgefühl mit sich. Ein geringeres Völlegefühl nach dem Essen wurde lediglich in derGruppe, die gar kein Getränk zu sich nahm, beobachtet. Ein großes Glas Wasser zurMahlzeit erzielte demnach im Vergleich zu kalorienhältigen Getränken einenEinsparungseffekt von über 200 kcal und hatte außerdem eine bessere Sättigungswirkungals gar kein Getränk. [3]

Aufgrund der spärlichen wie auch kontroversen Datenlage kann hier jedoch keine gesicherteAussage darüber getroffen werden, ob der Konsum von kalorienfreiem Mineralwasser zurMahlzeit die Energieaufnahme generell reduziert. Selbst unter der Annahme, dass keinverbesserter Sättigungseffekt durch kalorienfreies Mineralwasser zu erwarten wäre, entfälltjedoch damit zumindest der zusätzliche Energiegehalt des Getränkes selbst.

Studien zu Softdrinks haben darüber hinaus gezeigt, dass die Kompensation derzusätzlichen Energiezufuhr aus flüssigen Lebensmitteln nur unpräzise erfolgt und deshalbunabhängig vom Energiegehalt des Getränkes die gleiche Energiemenge aus festenNahrungsquellen aufgenommen wird. [4] Der generell stark ansteigende Trend zukohlensäurehaltigen und gezuckerten Softdrinks wurde bereits wiederholt mit derepidemischen Ausbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Erwachsenenin Verbindung gebracht. [4,5,6]

Eine Substitution von Softdrinks durch kalorienfreies (Mineral-)Wasser würde sichdemzufolge über den Tag gesehen in einer günstigeren Energiebilanz äußern und damiteinen möglichen Benefit für das Gewichtsmanagement von übergewichtigen Personen mitsich bringen.

Einen anderen Ansatz verfolgte ein Forscherteam der Berliner Charité, die die Wirkung desWassertrinkens auf die Thermogenese und den Energiestoffwechsel von 14 gesundenPersonen untersuchten. [7] Die Autoren Boschmann et al. berichten im Jahre 2003, dass dieAufnahme von 500 ml Wasser die metabolische Rate bei Männern und Frauen um 30%ansteigen lässt. Auf Basis ihrer Berechnungen schätzen die Autoren, dass tägliches Trinkenvon 1,5 Liter Wasser zu einem Anstieg des Energieumsatzes um ca. 50 kcal pro Tag führt.Auf ein gesamtes Jahr hochgerechnet könnten damit in etwa 17 400 kcal mehr – dasentspräche dem Energiegehalt von 2,4 kg Fettgewebe- verbraucht werden, schlussfolgernBoschmann et al.

[Anm.: Im Abstract der Publikation und in populärwissenschaftlichen Beiträgen sprechen dieAutoren sogar von einem erhöhten Umsatz von 100 kcal bei Konsum von 2 L Wasser, waseinem jährlichen Mehrverbrauch von 34000 kcal und dem Energiegehalt von 4,8 kgFettgewebe gleich zu setzen wäre.]

Zu einem anderen Ergebnis kommen die Wissenschafter Brown et al. von der UniversitätFreiburg/ Schweiz, die in einer jüngst veröffentlichten Studie keinen Beweis für einenthermogenetischen Effekt von destilliertem Wasser bei Raumtemperatur fanden. DieAbkühlung des Trinkwassers auf 3 °C verursachte lediglich einen geringen Anstieg desEnergieumsatzes von 4,5 % nach 60 min. Die Autoren weisen weiters darauf hin, dass sichdieses Ergebnis mit eine Reihe von früheren Untersuchungen deckt, die ebenfalls keinenoder wenn nur sehr bescheidenen Effekt von Wasser auf den Ruheenergieverbrauchbeobachten konnten. Brown et al. halten abschließend fest, dass die Rolle von Wasser alsthermogenetisch wirkende Kraft im Gewichtsmanagement der Adipositas stark anzuzweifelnist.

Zusammenfassung:
Insgesamt betrachtet spricht eine Reihe von Argumenten dafür, dass der Ersatz von

kalorienreichen, gezuckerten und kohlensäurehältigen Softdrinks durch(Mineral)Wasser als effektive Zusatzmaßnahme in der Prävention wie auch zurGewichtsabnahme von übergewichtigen und adipösen Personen dienen könnte.Sensationsmeldungen, die eine Gewichtsabnahme durch Wasser per se versprechen,sind jedoch aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.


Literatur:
[1] Roll B, Bell E, Thorwart M. Water incorporated into a food but not served with a food

decreases energy intake in lean women. Am J Clin Nutr 1999;70:448-55.
[2] Holt SH, Sandona N, Brand- Miller JC. The effects of sugar free vs. sugar-rich beverageson feelings of fullness and subsequent food intake. Int J Food Sci Nutr 2000;51:59-71.
[3] Della Valle DM, Roe LS, Rolls BJ. Does the consumption of caloric and non- caloricbeverages with a meal affect energy intake? Appetite 2005;44:187-93.
[4] Ludwig DS, Peterson KE, Gortmaker Sl. Relation between consumption of sugarsweetened drinks and childhood obesity: a prospective, observational analysis. Lancet2001;357:505-8.
[5] Mrdjenovic G, Levitsky D. Nutritional and energetic consequences of sweetened drinkconsumption in 6- to 13- year-old children. J Pediatr 2003;142;604-10.
[6] Schulze M, Manson J, Ludwig D. Sugar-Sweetened Beverages, Weight Gain, andIncidence of Type 2 Diabetes in young and Middle-Aged Women. JAMA 2004;292:927-934.[7] Boschmann M, Steiniger J, Hill U et al. Water- Induced Thermogenesis. J Clin EndocrinolMetab 2003;88:6015-6019.
[8] Brown CM, Dullo AG, Montani JP. Water-Induced Thermogenesis Reconsidered: TheEffects of Osmolarity and Water Temperature on Energy Expenditure after Drinking. J ClinEndocrinol Metab 2006;3598-602.