- Creatin ist eine seit 1834 bekannt Substanz.
- Creatin besteht aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin.
- 1 kg rotes Fleisch enthält roh: ca. 4 bis 5 g / gekocht: ca. 2 g Creatin.
- Durch die Resynthese von ADP zu ATP steigert Creatin die Kraftwerte.
- Laut Studien kann Creatin die Wachstumshormonausschüttung erhöhen.
- Studien belegen: Alpha-Liponsäure verbessert die Creatinaufnahme!
- Die optimale Kombination ist mit Maltodextrin + Whey Protein.
- Die ideale Einnahmemenge an reinem Creatin liegt bei 3 bis 7 g täglich.
- direkt nach dem Training ist der optimale Einnahmezeitpunkt.
- Eine dauerhafte Creatineinnahme ist laut Studien nebenwirkungsfrei.
- Creatin ist in Wasser instabil und zerfällt schnell zu wirkungslosem Creatinin.
- Kre-Alkalyn ist teuer und verspricht viel – kann es aber nicht halten!
Einleitung oder "Wo fangen wir an?"
Wie bei jedem anderen Supplement gibt es selbstverständlich auch bei Creatin eine große Anzahl von verschiedenen und irreführenden Informationen. Für viele sind diese Widersprüchlichkeiten kaum noch überschaubar, deshalb wird dieser Artikel die Problematik rund um Creatin wissenschaftlich betrachten, in praktisch anwendbare Schemen bringen und versuchen, mit den schon so lieb gewonnenen Dogmen aufzuräumen.Die Anfänge
Creatin (engl.: creatine) ist eine schon seit mehr als 150 Jahren bekannte Substanz. Entdeckt wurde sie 1834 von dem Franzosen Chevreul als Bestandteil der Fleischbrühe. Justus von Liebig konnte einige Jahre später (1847) erstmals Creatin methodisch zuverlässig als Komponente im Fleisch verschiedener Säugetierarten nachweisen. Das erste Creatinsupplement der Weltgeschichte hatte nunmehr den Namen "Liebigs Fleischextrakt" und war in diesem Sinne auch käuflich zu erwerben. Die Branche der frühzeitigen Supplementeindustrie war geboren.
Die Synthese von Creatin
Zuerst ein paar wissenswerte Fakten zu besagter Substanz: Creatin ist ein natürlich vorkommender Bestandteil des Körpers, bestehend aus den Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin. Bei letzterer handelt es sich um eine essentielle Aminosäure, die mit der Nahrung zugeführt werden muss. Creatin entsteht dabei in einer Reaktion aus Guanidinacetat und Ornithin, welche durch ein Enzym namens Arginin:Glycin Amidinotransferase (AGAT) katalysiert wird. Guanidinacetat entsteht in den Nieren und gelangt dann über das Blut in die Leber, wo es die Methylgruppe des Methionins erhält (via S-Adenosylmethionin-Guanidinacetat N-methyltransferase, GAMT). Flaschenhals der Synthese ist jedoch die AGAT, welche mittels einem Feedback-Mechanismus durch Creatin gehemmt wird (sog. negative Rückkopplung).Das heißt also, dass die exogene (von außen kommende) Creatinzufuhr die endogene (körpereigene) Produktion negativ beeinflusst [1]. Creatin wird vom Körper einerseits selbst synthetisiert, andererseits auch regelmäßig von außen mit der Nahrung zugeführt (rotes Fleisch, Fisch). 1 kg rotes Fleisch in Rohform enthält ca. 4 bis 5 g Creatin. Beim Kochen zerfällt jedoch ein erheblicher Teil, weshalb im verzehrfertigen Zustand nur noch weniger als die Hälfte des Creatingehalts übrig bleibt. Eine Supplementation kann man also kaum über die Ernährung ersetzen, es sei denn man ist bereit, täglich mehrere Kilo Fleisch zu konsumieren.
Aufnahme und Elimination
Die Aufnahme des Creatins im Darm erfolgt über mehrere Mechanismen. Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit mit bestimmen Aminosäuren (Arginin, Lysin) kann die Aufnahme über Aminosäure-Transporter oder andere Transportsysteme, wie z. B. Taurin oder GABA (beide entsprechen strukturell dem Creatintransporter der Muskulatur [44]) erfolgen. Die gängigste aller Methoden ist jedoch die Aufnahme mit Hilfe von Insulin. Dieses wird nach der Zufuhr kurzkettiger Kohlenhydrate ausgeschüttet und verhilft dem Creatin beim Übergang in die Zellen. Eine weitere Möglichkeit ist die Aufnahme über den parazellulären Weg, also an den Zellen vorbei [2]. Die dann folgende Aufnahme des Creatins in den Muskel erfolgt über einen NaCl-abhängigen Transporter [3], welcher identisch ist mit den Transportern für Dopamin, GABA sowie Taurin [4] und einer muskelfaserspezifischen Verteilung unterliegt. Typ-2-Fasern, welche über kurze Zeiträume hohe Kraftspitzen erzeugen können, besitzen die meisten Rezeptoren und haben somit auch den höchsten Gehalt an Creatin bzw. Phosphocreatin. Letzteres wird in der Zelle mittels dem Enzym Creatin-Kinase (kurz CK) durch Phosphorylierung von Creatinmonohydrat synthetisiert und stellt im Prinzip die zelluläre Speicherform dar. Die Aufnahme des Creatins in die Muskulatur wird über eine fasertypenspezifische [5] Up- und Downregulation der Creatintransporter (CrT) reguliert, deren Affinität jedoch unbeeinflusst bleibt. Bei chronisch exogener Zufuhr von Creatin besteht demzufolge die Gefahr, dass die Creatintransporter downreguliert werden und somit weniger aufgenommen werden kann, was sich zumindest in Studien an Ratten bestätigte [4].Auch Alpha-Liponsäure (im folgenden ALA genannt) erhöht die Creatinaufnahme. So verglichen Burke et al. [9] den Gesamtcreatingehalt im Muskel nach Einnahme von 20 g Creatinmonohydrat allein (Gruppe 1), mit 100 g Sucrose (= Zucker) (Gruppe 2) und mit 100 g Sucrose in Kombination mit 1000 mg ALA (Gruppe 3) für jeweils fünf Tage und bei gleichen Ernährungsplänen der Testpersonen. Der Creatin- und Phosphocreatingehalt im Muskel wurden mittels Biopsie vor, während und nach dem Einnahmeregime gemessen, dabei zeigte sich, dass die Gruppe 3 einen signifikant höheren Gehalt an Creatin und Phosphocreatin aufwies als die beiden Vergleichgruppen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Training selbst. Der Mechanismus dahinter scheint noch etwas unklar, sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass der Trainingsreiz zur vermehrten Translokation der Creatinrezeptoren an die Zelloberfläche führt.
Nun steht natürlich die Frage im Raum: Warum braucht man für die Creatinaufnahme Insulin, wenn doch die Aufnahme in die Muskulatur über einen NaCl-Transporter vonstatten geht? Die Antwort ist einfach: Insulin beeinflusst den Creatinrezeptor nicht direkt, führt jedoch über eine gesteigerte Glukoseaufnahme zu einem osmotischen Gradienten (= Antrieb) für Natrium, welches dadurch vermehrt in die Zelle gelangt (auch bekannt unter "Wasser ziehen"). Da die Creatinaufnahme natriumabhängig ist, wird auch sie im Rahmen dieses Vorgangs potenziert [12,13].
Der Wirkungsmechanismus
Die Wirkung des Creatins beruht vorwiegend auf Phosphocreatin, welches gemeinsam mit Adenosin-Tri-Phosphat (ATP) im anaerob-alaktaziden Energiestoffwechsel der Zelle eine wesentliche Rolle spielt. ATP, ein Molekül mit drei Phosphatgruppen, ist der erste Energieträger, der von der Muskulatur verbraucht wird, bevor auf langsamere Alternativen umgestiegen werden muss.Dabei wird vom ATP eine seiner drei Phosphatgruppen abgespalten, wobei Energie frei wird, die für die Kontraktion verwendet wird. Übrig bleibt Adenosin-Di-Phosphat (ADP), ein Molekül mit nur zwei Phosphatgruppen, welches erst wieder zu ATP resynthetisiert werden muss. Der körpereigene Vorrat an ATP reicht für etwa 3 Sekunden Arbeit, dann kommt das Creatinphosphat ins Spiel, welches seinen Phosphatrest abspaltet und an das ADP abgibt, wobei wieder ATP entsteht, das nun erneut zur Energiegewinnung verwendet werden kann. Creatin wirkt damit in etwa wie ein Energierecyclingsystem. Dadurch erhöht sich die Dauer, während der die Muskulatur auf ATP als Hauptenergieträger zurückgreifen kann, auf ca. 6 bis 10 Sekunden. Danach wird Energie über die anaerobe Glykolyse bzw. in weiterer Folge über die aerobe Glykolyse und Fettsäureoxidation bereitgestellt. Creatin kann somit als eine Art Puffer betrachtet werden, der die Zeit zwischen akuter und verzögerter Energiebereitstellung überbrückt und längere Kraftspitzen ermöglicht. Die genaue (direkte und langfristige) Wirkungsweise von Creatin ist immer noch Gegenstand der Forschung, die vorliegenden Ergebnisse lassen derzeit keine einheitliche Schlussfolgerung zu.Auch eine Auswirkung auf den Wachstumshormonspiegel (HGH – human growth hormone) konnte festgestellt werden: In einer relativ klein angelegten Studie mit 6 Probanden stieg der HGH-Spiegel nach Einnahme von 20 g Creatin in signifikanter Weise im Vergleich zur non-Creatingruppe an [21]. Der nächste interessante Effekt von Creatin betrifft die Hirnleistung. So steigert in einer Studie von Rae et al. [46] die Creatineinnahme das Arbeitsgedächtnis und die Intelligenzleistung des menschlichen Gehirns in entsprechenden Testprotokollen (Backward Digit Span Test, BDS) hochsignifikant. Wenn das mal kein Grund ist, sich sofort Creatin zu kaufen! Der Nutzen, die Aussagekraft und Reproduzierbarkeit dieser einzelnen Studien bleiben jedoch abzuwarten. Eine weitere Theorie geht von einem osmolaren Effekt aus, bei welchem die durch Creatin herbeigeführte Hyperhydration ("Wasser ziehen") als anaboles bzw. antikataboles Stimulans agiert [20].
Die Trainingseffekte
Creatin beeinflusst die maximale Spannungsentwicklung (Isotonie) im Muskel signifikant (sprich: höhere Maximalgewichte sind möglich) [25]. Die isometrische Kraft wird nicht beeinflusst, nur ein Einfluss auf die isometrische Ausdauer wäre denkbar [26]. Die Prävention von Muskelkater ist durch besagte Substanz nicht möglich [25].Beendigung der Creatinsupplementation
Nach Beendigung der Supplementation können die Creatinlevel bis zu einem Monat erhöht bleiben [10]. Wie oben bereits beschrieben, können sich die Creatininlevel im Körper durch die Einnahme von Creatin etwas erhöhen. Creatinin gilt in der Medizin als Marker für die Nierenfunktion, sollte also bei einem Bluttest ein erhöhter Creatininwert während der Supplementation zum Vorschein kommen, ist ein Rückschluss auf die Nierenfunktion NICHT zulässig, der Arzt sollte unbedingt über die Einnahme informiert werden. Creatinin als solches ist als muskelaufbauende Substanz natürlich unbrauchbar, zur Prävention von Nierenschäden ist während der Dauer der Creatineinnahme eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser sehr zu empfehlen. Der Creatinrezeptor wurde übrigens auch in den Nieren gefunden, was Spekulationen darüber entfachen lässt, ob nicht ein Teil des Creatins dort wieder rückresorbiert wird [1].Pharmakokinetik
Die maximale Konzentration im Blut (Cmax) erreicht Creatin bei einer Dosis von 5 g nach etwa 1 h [7], bei 6 bis 10 g nach weniger als 2 h, die Tmax (= Zeit bis zur maximalen Konzentration im Blut) bei Dosen von > 10 g beträgt mehr als 3 h [14]. Die Pharmakokinetik scheint also dosisabhängig zu sein, wobei es diesbezüglich noch zu wenige Studien gibt, um eine verlässliche Aussage zu treffen. Wie verhält es sich nun bei der Einnahme von Creatin mit KH, die ja bekanntlich besser sein soll? In einer Studie zu ebendieser Thematik wurde bei der alleinigen Applikation von 5 g Creatin eine Cmax von 170 mg/l nach einer Tmax von 50 min erreicht. Bei Applikation derselben Menge Creatin mit 500 ml einer 18,5%igen Glukoselösung (also 92,5 g Glukose) betrug die Cmax 80 mg/l, die Tmax 90 min [11]. Diese vergleichsweise niedrige Cmax und lange Tmax sind auf die gesteigerte Creatinaufnahme in die Muskulatur durch die Insulinstimulation zurückzuführen, d. h. Durch das Insulin verweilt das Creatin nicht so lange im Blut, sondern wird sofort in die Zellen aufgenommen (niedrige Cmax). Infolgedessen verschiebt sich natürlich auch die Tmax nach hinten. Um das mal verständlich zu machen: Genau das sollte passieren, die Einnahme von Creatin in Kombination mit einer Insulinstimulation ist also absolut empfehlenswert.Dosierung und Einnahme
Auch hierzu gibt es in der Literatur eine Fülle an Studien mit unterschiedlichen Aussagen. Es gibt jedoch zwei grundlegende Vorgehensweisen: 1. Ladephase mit 4x5 g/Tag für 5 Tage, dann eine Erhaltungsdosis von 3 bis 5 g/Tag oder 2. 3 bis 7 g/Tag von Tag 1 bis Tag X. Mengen jenseits der 20 g sind unnötig und bringen keinen zusätzlichen Benefit [28]. Die Ladephase wird heute jedoch nicht mehr angewandt und gilt als veraltet. Denselben Effekt erreicht man auch mit einer Dosierung von 3 bis 7 g/Tag, wobei sich beide Wege nach 14 Tagen kreuzen, soll heißen, die Creatinspiegel beider Vorgehensweisen sind nach 14 Tagen identisch hoch. Vorteil letzterer Einnahmeform ist jedoch die Vermeidung der Verletzungsgefahr, welche bei einer massiven Creatinüberdosierung und der daraus resultierenden "zu schnellen" Kraftsteigerung als Folge auftreten kann. Beide Regime führen letztlich zu einem supraphysiologischen Anstieg des Gesamtcreatingehalts. Sind die Speicher einmal auf dem erhöhten Level gesättigt, reicht eine Erhaltungsdosis von 0,05 g Creatin/kg Körpergewicht und Tag (das entspricht den oben genannten 3 bis 7 g täglich), jeglicher Überschuss wird vom Körper ungenutzt eliminiert und belastet die Nieren nur unnötig. Die Einnahmedauer geht zunehmend weg von der "kurartigen" Anwendung (= Einnahme über einige Wochen, dann wieder Pause), hin zu Dauersupplementation, da in den diesbezüglich durchgeführten Studien keine schädlichen Nebenwirkungen feststellbar waren (siehe Abschnitt "Nebenwirkungen").Maltodextrin zeichnet sich trotz der größeren Komplexität durch einen hohen GI (Glykämischer Index) aus, schmeckt aber nicht so süß wie Dextrose. Durch den Kohlenhydratkonsum erreicht der Insulinspiegel 15 bis 20 Minuten später bis zu 20-fach erhöhte Werte [12,13] und der Insulinpeak fällt zeitlich genau mit dem Creatinpeak (siehe Pharmakokinetik) zusammen. Wie jedoch bereits ausführlich dargestellt wurde, wirkt sich auch eine Proteinsupplementation vorteilhaft auf den Insulinspiegel aus. Um dem Rechnung zu tragen, muss das obige Regime etwas modifiziert werden. Die Wahl fällt in diesem Zusammenhang auf Whey Protein, da dieses Protein die schnellste Aufnahmezeit aller Proteine besitzt [38]. Das entspricht in etwa der Zeit, in der Creatin (bei einer Dosis von 5 g) seine maximale Konzentration im Blut erreicht.
Nebenwirkungen und Einnahmedauer
Beschrieben werden in Einzelfällen akute Nebenwirkungen wie Erbrechen, Übelkeit, durchfall und Muskelkrämpfe. In Bezug auf Nebenwirkungen bei chronischer Einnahme gibt es einige Studien, die durchwegs einer Meinung sind: Creatin zeigt auch über lange Einnahmezeiten hinweg keine unmittelbar nachweisbaren negativen Effekte auf den menschlichen Organismus. So untersuchten z. B. Mayhew et al. [32] oder Poortmans et al. [33] die Auswirkungen auf Niere und Leber bei einer täglichen Creatineinnahme von 5 bis 20 g über mehrere Jahre. Die Forschgruppe rund um Kreider et al. beobachtete darüber hinaus über einen Zeitraum von 21 Monaten bei täglich 5 g Creatin nicht nur die Leber oder Nieren, sondern auch eine Vielzahl weiterer Gesundheitsparameter (Blutbild, Elektrolyte, Blutfette, Muskelenzyme etc.) und konnte keinerlei Unterschiede zur Vergleichsgruppe feststellen [34]. Diese Ergebnisse sprechen also sehr stark für eine gefahrlose Langzeiteinnahme, es sei jedoch an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der menschliche Organismus nicht nur aus einer Reihe von Laborparametern besteht und ein gewisses Restrisiko immer bestehen bleibt. So spricht eine Studie mit Ratten eine gewisse Gefahr bei bereits vorgeschädigten Nieren aus [35], andere konnten sogar eine Beeinträchtigung der Nieren gesunder Ratten feststellen [42]. Und um dem noch eins drauf zu setzen: Die möglicherweise seriöseste Studie zu diesem Topic fand wiederum keine negativen Effekte auf die Nierenfunktion im Tiermodell [43].Non-Responder
Die besten Resultate bei Creatinsupplementation erreichen diejenigen Personen mit den niedrigsten basalen Werten (also z. B. Vegetarier), mit dem höchsten Anteil an Typ-II-Fasern und der größten Magermasse (FFMM). Sog. Non-Responder weisen genau die gegenteiligen Eigenschaften auf [36].Die Creatin-Qualität
Das wichtigste Qualitätskriterium beim Creatin ist die Reinheit/Qualität. Je schlechter (und billiger) das verwendete Syntheseverfahren ist, desto mehr – teilweise toxische – Nebenprodukte wie Cyanamid (eins der Ausgangsmaterialien), Dicyanamid und Dihydrotiazin bis hin zu Schwermetallen wie Quecksilber konnten nachgewiesen werden. Hier sollte man also nicht am falschen Ende sparen, zumal Creatin im Allgemeinen kein besonders teures Produkt ist. Das weltweit reinste Creatin wird unter dem geschützten Namen Creapure® von Alzchem (ehem. Degussa-SKW-Trostberg) hergestellt. Creapure® von Alzchem ist sehr fein und weist eine mikronized Qualität auf. Dadurch wird es optimal aufgenommen und sorgt für hervorragende Resultate bezüglich der Kraft- und Muskelzunahme.Lagerung und Zerfall
Creatin sollte kühl und vor allem trocken gelagert werden, da es bei zu hoher Luftfeuchtigkeit zum spontanen Zerfall zu Creatinin neigt. Wie nicht anders zu erwarten, bleibt Creatin in flüssiger Lösung nicht sehr lange stabil (insbesondere im sauren Milieu wie etwa im Magen) und sollte deshalb unmittelbar nach dem Anmischen konsumiert werden. Dabei ist zu beachten, dass die Magenpassage umso schneller vonstatten geht, je mehr die Temperatur der zugeführten Flüssigkeit der Körpertemperatur entspricht.Creatin-Serum, CreaVitargo, Kre-Alkalyn
Immer nur Creatinmonohydrat ist doch mit der Zeit langweilig, zumal es doch auch so billig ist. Es muss also was Neues her, was Revolutionäres, etwas, wofür man gerne viel Geld ausgibt. Der Fantasie sind und waren keine Grenzen gesetzt, es gibt jährlich eine ganze Palette neuer Creatinzauberformeln mit fraglicher Wirksamkeit. Eine dieser "Entwicklungen" ist sogenanntes Creatin-Serum, welches noch vor einigen Jahren sehr populär war. Zum Glück und zu Recht nur für eine kurze Zeit, wie wir gleich erfahren werden. Dieses umgehe angeblich aufgrund der flüssigen Form den Verdauungstrakt, gelange schneller in die Muskulatur, sei viel potenter als herkömmliches Creatin und führe zu keiner Wasserretention. Wir stoppen an dieser Stelle die leeren Versprechungen und zitieren eine Studie von Harris et al., welche genau diese Aussagen untersucht hat [37]. Das dabei verabreichte Creatinserum (äquivalent zu 2,5 g Creatinmonohydrat) führte zu keinem messbaren Anstieg der Creatinkonzentration im Blut, wohingegen bei Gabe von 2,5 g herkömmlichen Creatinmonohydrat der entsprechende Blutspiegel signifikant anstieg. Die Analyse des Creatinserums ergab, dass in 5 ml der besagten Flüssigkeit (entspricht lt. Herstellerangaben 2,5 g Creatin) weniger als 10 mg Creatinmonohydrat und 90 mg Creatinin zu finden waren. Creatinserum ist also schlichtweg nutzlos.Weiters wären dann noch Creatinkombinationen (wie z. B. CreaVitargo, Createston etc.) mit neuartigen Kohlenhydraten und allerlei mysteriösen Transportmatrizen aus geheimen Speziallabors zu nennen. Die meisten davon zielen einfach darauf ab, dass bei gleichzeitiger Einnahme von Creatin mit Dextrose oder Maltodextrin der Insulinpeak zeitlich verschoben einsetzt und somit kein Creatin mehr aufgenommen werden könne. Erstens wird Creatin auch ohne Insulin aufgenommen – nur in einer geringeren Menge – und zweitens haben wir bereits erfahren, wie man sehr simpel und einfach dieses mit Maltodextrin lösen kann. Die horrenden Summen, die man für die vermeintlichen Zauberformeln hinblättern muss, stehen in keiner Relation zum ersparten Aufwand oder erzielten Nutzen, denn mehr als einen Insulinpeak kann kein KH der Welt erreichen, die Osmolalität (= Gleichgewicht zwischen intra- und extrazellulären Körperflüssigkeiten) spielt in diesem Zusammenhang keine signifikante Rolle.